Klimagerechte Gebäude im Mittelmeerraum

Dissertation „Klimagerechte Gebäude im Mittelmeerraum“

Entwicklung eines nachhaltigen, architektonisch integrierten Klimatisierungskonzepts
für klimagerechte Gebäude in den Küstengebieten des Mittelmeerraums
von Amani Badr (M.F.A.)

Schon vor Jahrtausenden hat der Mensch versucht, sein Heim an die klimatischen Verhältnisse seiner Umgebung anzupassen. In jeder Region entwickelte sich eine eigene klimaspezifische Architektur. Im zwanzigsten Jahrhundert jedoch glich sich die Architektur in weiten Teilen der Welt immer mehr den führenden mitteleuropäischen Vorgaben an. Klimatische Aspekte wurden dabei außer Acht gelassen. Auch der Mittelmeerraum nahm teil an dieser Entwicklung. Um das Raumklima dennoch erträglich zu machen, wurden in dieser Region zunehmend mehr Klimaanlagen eingesetzt, die viel Energie verbrauchen und die Umwelt belasten.

Im Laufe der neunziger Jahre gewann klimagerechte Architektur wieder verstärkt an Bedeutung. Beispiele dafür sind vor allem im mitteleuropäischen Raum anzutreffen. Forschung auf diesem Gebiet bezieht sich ebenfalls vorwiegend auf diesen Raum. Generellere Studien unterscheiden meist nur sehr grob zwischen vier Hauptklimazonen. Da die Küstengebiete des Mittelmeerraums aber eine klimatische Übergangszone darstellen und auch wegen ihrer Lage am Meer ganz spezielle klimatische Bedingungen aufweisen, ist es nicht möglich, diese Region einer dieser Hauptklimazonen zuzuordnen.
Ziel dieser Forschungsarbeit soll sein, architektonische Lösungen zu finden, die sowohl für das warme Sommerklima mit spürbar hoher Luftfeuchtigkeit als auch für das kühle Winterklima der Küstengebiete des Mittelmeerraums optimale energetische Resultate erzielen. Die negativen klimatischen Einflüsse auf das Raumklima sollen minimiert und die positiven Einflüsse weitestgehend genutzt werden. Der Einsatz von elektrischer Energie soll – ohne merklichen Komfortverzicht – deutlich reduziert werden.

Zunächst sollen energierelevante Gebäudemerkmale wie Gebäudegeometrie, -ausrichtung, -zonierung und Gebäudehülle untersucht werden. Ihre Gestaltung soll eine optimale Steuerung der vorhandenen Energieströmungen ermöglichen. Für eine weitere Regulierung des Raumklimas sollen Alternativen zur konventionellen Klimatisierung entwickelt werden, die ebenfalls die vorhandenen Energieströmungen nutzen sollen. Verschiedene nachhaltige Klimatisierungstechniken sollen kombiniert werden, um die konventionelle Klimaanlage vollständig zu ersetzen. Der technische Aufwand soll so niedrig wie möglich gehalten werden.

Das Konzept soll am Beispiel von Mehrfamilienhäusern, einem verbreiteten Gebäudetyp in den Küstengebieten des Mittelmeerraums, dargestellt werden. Historische Vorbilder, wissenschaftliche Erkenntnisse, Projektbeispiele und eigene Simulationen sollen bei der Studie als Hilfsmittel dienen.