Fassadenintegrierte solare Luftkollektoren

Dissertation „Fassadenintegrierte solare Luftkollektoren für Wohnsiedlungsgebäude aus den 50er/60er Jahren“

von Marc Gatzweiler (Dipl.-Ing. Architekt)


Gegenstand der Promotion ist die Überprüfung von Möglichkeiten der Integration solarer Luftkollektoren in die Fassadenhülle von sanierungsbedürftigen Wohnsiedlungsgebäuden aus den Nachkriegsjahren. Hierbei stehen energetische, wirtschaftliche und gestalterische Aspekte im Fokus der Betrachtung.

Der Einsatz solarer Luftkollektoranlagen an Wohngebäuden stellt derzeitig noch eine Randerscheinung dar. Bis heute sind nur einige wenige Wohnhäuser mit entsprechender Technik realisiert worden. Inhalt der Promotion ist die Untersuchung von technischen und architektonischen Ausprägungen fassadenintegrierter Luftkollektoren, mit der Zielsetzung eines zukünftig verstärkten Einsatzes der Technik bei Modernisierungen bzw. Sanierungen von Wohnsiedlungsgebäuden aus den 50er/60er Jahren; denn gerade dieser Wohnungsbestand besitzt aufgrund seines Umfangs und seines günstigen Miet- und Kaufpreisniveaus eine herausragende Bedeutung für den Wohnungsmarkt.


In den Städten der alten Bundesländer zeichnet sich immer deutlicher ein Wandel der Bevölkerungs- und Wirtschaftsstruktur ab. Verluste an Unternehmen, Arbeitsplätzen und Einwohnern stellen die Kommunen vor die stadtentwicklungs- und wohnungspolitische Herausforderung, eine Anpassung an den demografischen Wandel vorzunehmen. Laut der GdW-Jahresstatistik sind in Gesamtdeutschland derzeitig 15% aller Wohngebäude gänzlich unsaniert und 27% lediglich teilsaniert. Mit einem Anteil von 51% aller Siedlungstypen in den alten Bundesländern, stellen die Wohnsiedlungen aus den 50er und 60er Jahren mit Abstand den größten Bestand dar (neue Bundesländer 27%). Hier ist somit ein erheblicher Modernisierungsbedarf festzustellen, der in den kommenden Jahren gedeckt werden muss.

Die Analyse von Beispielgebäuden soll Aufschluss über die derzeitigen Einsatzmöglichkeiten, die verschiedenen gestalterischen Ausprägungen und die energetische Wirksamkeit der Luftkollektortechnik geben. Die Analyse der Zwischenergebnisse soll, im Hinblick auf neue Varianten ganzheitlicher Fassadenkonzeptionen, Rückschlüsse auf etwaige technische und formal-ästhetische Optimierungen erlauben und Informationen über Planungsaufwand und ökonomischen Nutzwert von Luftkollektoren geben. Eine anschließende experimentelle Untersuchung einer auf Basis eines Referenzgebäudes sinnvoll erscheinenden Fassadenkonfiguration, soll abschließend in einer Messwerterfassungsanlage praxisrelevante, thermische, baukonstruktive und gestalterische Parameter, im Hinblick auf eine mögliche Systementwicklung, generieren.

Die Promotion steht unter dem Gesichtspunkt der drastischen Verteuerung von fossilen Energieträgern und den zunehmenden Klimaschutzbemühungen der Regierung und ihrer Bevölkerung. Die Arbeit hat den Anspruch einen Beitrag zur aktuellen Umwelt- und Klimaschutzdebatte zu leisten.